Das gute alte UKW-Radio hat mächtig Konkurrenz bekommen: aus dem Internet. Denn mehr als 10.000 Radiosender rund um den Globus verbreiten inzwischen ihre Programme zeitgleich im Web. Hinzu kommen etliche Anbieter reiner Internet-Programme. Vorteil gegenüber konventionellem Empfang: Die Auswahl ist nicht – wie bei UKW üblich – auf lokale Sender begrenzt und ermöglicht zudem die gezielte Suche nach Stationen, deren Beiträge dem eigenen Geschmack entsprechen. Zum Abruf der Sendungen benötigte man bisher einen Computer und eine schnelle Internet-Verbindung. Auf die DSL-Leitung lässt sich naturgemäß nicht verzichten, wohl aber auf den Rechner: mit Internet-Radiogeräten. Und das steckt dahinter:
Der Lokalsender aus Bayern auf dem norddeutschen Computer
1948, also vor genau 60 Jahren, startete der Bayerische Rundfunk das erste europäische UKW-Programm. In die Wohnzimmer drang damit eine bisher ungehörte Klangqualität, die in den 60er Jahren vom Stereoton noch übertrumpft wurde. Nachteil der „Ultrakurzwelle“ im Vergleich zu den bis dahin vorherrschenden (und sehr störanfälligen) Frequenzen der Kurz-, Mittel- und Langwelle: Die Reichweite lag und liegt noch immer bei nur einigen Kilometern. In Norddeutschland ist es deshalb unmöglich, beispielsweise einen UKW-Sender aus Bayern zu empfangen. Das klappt erst, seitdem Radiosender ihre Programme digitalisiert im so genannten Streaming-Verfahren über das Internet verbreiten. Dank schneller Datenleitungen wie DSL liegt die Klangqualität zumindest bei europäischen Sendern zudem auf UKW-Niveau.
Musik für jeden Geschmack
Zum Empfang der Stationen reichen ein ganz normaler PC oder ein Notebook, ein Abspielprogramm wie der Windows MediaPlayer, ein beliebiger Web-Browser und natürlich der schnelle Internet-Zugang. Ist die Verbindung zur Homepage des Senders aufgebaut, findet sich meist auch schon der Button, mit dem sich die Übertragung starten lässt. Neben den großen öffentlich-rechtlichen Sendern wie NDR, WDR oder BR wird das „Radio-Web“ von kommerziellen Stationen beherrscht. Letztere suchen ihre (werbefinanzierte) Marktnische üblicherweise über Spartenprogramme. Das heißt: Es gibt Sender, die sich beispielsweise auf Oldies, Rock, Blues, Hip-Hop oder Volksmusik spezialisiert haben. Damit finden sich im Netz Angebote für praktisch jeden Musikgeschmack.
Der Rechner auf dem Küchentisch?
So schön und bequem diese musikalische Vielfalt auch sein mag – um in den Genuss zu kommen, ist ein Computer notwendig. Aber den hat man zu Hause ja nicht unbedingt auf dem Wohnzimmer- oder Küchentisch stehen. Findige Entwickler haben deshalb „Computer“ entwickelt, die sich sowohl optisch als auch von der Bedienung her kaum von einem herkömmlichen UKW-Radio unterscheiden – inklusive Lautsprecher, Display und Einstellknopf. Sogar Antennen gibt es. Die empfangen aber keine Radiosignale, sondern die Daten aus dem WLAN-Router, exakt so, wie es auch ein drahtlos ans Internet angeschlossener PC machen würde. Für die Auswahl aktueller Sender und Programme verbinden sich die Web-Radios mit frei zugänglichen Servern und laden von dort die entsprechenden Informationen herunter. Der Hörer muss dann lediglich noch über das Display die gewünschte Station aussuchen.
Von einfach bis schick
Internet-Radiogeräte gibt es schon für weniger als 100 Euro, hier fehlt aber meist der WLAN-Zugang, die Verbindung muss somit über ein lästiges Netzkabel erfolgen. Für drahtlose Modelle sollte man wenigstens 150 Euro einplanen, High-End-Geräte beispielsweise im berühmten dänischen Design können über 400 Euro kosten. Die größten Unterschiede zeigen die verschiedenen Modelle bei der Klangqualität, die zwar einerseits von der Güte der Datenübertragung abhängt, andererseits aber auch vom Verstärkerteil und den Lautsprechern beeinflusst wird. Wer sicher gehen will, sollte das Gerät der Wahl im Fachhandel einer akustischen Überprüfung unterziehen.
Auf die Formate achten
Hinsichtlich der technischen Grundausstattung muss das Web-Radio die populären Streaming-Formate unterstützen. Dazu gehören neben dem fast immer anzutreffenden MP3 auch RealAudio, WMA, ungeschütztes AAC, WAV, AU, AIFF und OggVorbis. Besitzer großer Musikarchive können bei Geräten aus der Spitzenklasse sogar noch ein besonderes Feature genießen: die Funkübertragung der Songs von der Festplatte des PCs oder über lokale Netzwerk-Festplatten, so genannte NAS-Systeme. Bei diesen Radios finden sich zudem Ausgangsbuchsen für die Tonsignale – der Integration in die heimische Hifi-Anlage steht dann nichts mehr im Weg.
Links zum Thema:
Hier die Homepages einiger populärer Hersteller von Internet-Radios: