|
Phishing-Mails: Kripo jagt Finanzagenten
Die Methode ist seit vielen Monaten bekannt, dennoch fallen zahlreiche Internetnutzer nach wie vor auf sie herein. Die Rede ist von Phishing, einem Kunstwort aus den englischen Begriffen Password und Fishing. Kriminelle schicken dabei gefälschte E-Mails von Banken und Sparkassen mit der Aufforderung, auf einer nachgemachten Webseite Zugriffscodes wie PINs und TANs einzugeben. Mit diesen Daten wird dann das betreffende Konto abgeräumt. Damit man sie bei den Transaktionen nicht erwischt, leiten die Phisher das Geld auf die Konten so genannter Finanzagenten. Und diese meist gutgläubigen Personen stehen derzeit im Fadenkreuz polizeilicher Ermittlungen. Wir verraten, wie die Masche funktioniert und warum Sie auf keinen Fall entsprechende Job-Angebote annehmen sollten. Alles läuft über anonyme Bargeldtransferdienste Experten sind sicher: Phisher verfügen über so viele Zugangsdaten zu Bankkonten, dass sie mit der Rekrutierung ihrer Finanzagenten gar nicht mehr nachkommen. Ohne diese Mittelsmänner wäre das Risiko für die Kriminellen viel zu groß. Denn jeder weltweite Geldtransfer über Banken und Sparkassen lässt sich nachverfolgen. Phisher bedienen sich deshalb der Dienste von Western Union oder MoneyGram. Dort wird Bargeld eingezahlt und in den meisten Ländern auch bar ausgezahlt. Zur Authentifizierung muss der Geldempfänger lediglich den Namen des Absenders nennen, weitere Kontrollen finden nicht statt. Gedacht sind diese Transfers für die Bargeld-Unterstützung beispielsweise von Familienangehörigen, denen im Ausland Geld und Personaldokumente abhanden gekommen sind. Bargelddienste sind mit ihrer typischen Anonymität somit ideale Voraussetzungen, um sich unerkannt zu bereichern. Es muss nur jemanden geben, der Geld von seinem Konto abhebt und zu einer der Einzahlungsstellen von Western Union oder MoneyGram trägt. Das machen die Finanzagenten. Bei der Einzahlung nennen sie Land und Ort der Auszahlung sowie ihren Namen. Als "Belohnung" für ihre Dienste dürfen sie einen Teil des auf ihr Konto überwiesenen Betrages behalten. Lukrativer Nebenverdienst - theoretisch Durchschnittlich 2000 bis 3000 Euro fließen pro Betrugsfall auf das Konto eines Finanzagenten, so das Bundeskriminalamt (BKA). Bei zehnprozentiger Provision und wöchentlich mehrfachen Überweisungen könnte die Weiterleitung des Geldes zu einem schönen Nebenverdienst werden. Genau damit werben die Phisher in ihren Spam-Mails. "Wir suchen zuverlässige Mitarbeiter", heißt es da beispielsweise. Voraussetzung für den Job sei lediglich ein E-Mail-Account und ein Bank- oder Sparkassenkonto. Als Grund für den Personalmangel wird die internationale Expansion angeführt, und dass man im Land des Mail-Empfängers noch keine Niederlassung habe. Die Mails enden mit dem Link auf eine Webseite, mit deren Formular man sich als Finanzagent bewerben könne. Fällt der Interessierte darauf herein, erhält er kurze Zeit später eine E-Mail mit dem Hinweis, dass eine vierstellige Summe auf sein Konto überwiesen worden wäre. Nach der Gutschrift müsse er das Geld sofort abheben und per Bargeldtransferservice an eine Adresse in Osteuropa weiterleiten. Die Provision könne er vorher abziehen. Bei dieser einen Transaktion wird es allerdings bleiben: Schon wenige Tage später kann nämlich die Kripo an der Haustür klingeln und einen Haftbefehl wegen des Verdachts auf Geldwäsche oder sogar wegen Betrugs präsentieren. Derjenige, dem der Phisher das Konto abräumte, hat dann Strafanzeige gegen den Empfänger des Geldes gestellt. Auf keinen Fall ausfüllen Wenn Sie in Ihrem E-Mail-Fach mit einem Stellenangebot für Finanzagenten konfrontiert werden, gibt es nur eine Reaktion: Markieren und löschen. Füllen Sie auf gar keinen Fall das dort verlinkte Bewerbungsformular aus, auch nicht mit falschen Daten. Denken Sie immer daran: Da wollen Kriminelle Ihre Dienste ausschließlich dafür nutzen, sich selbst der polizeilichen Verfolgung zu entziehen. Sie allein sind identifizierbar und müssen mit den Konsequenzen rechnen. Mirko Manske, Kriminalhauptkommissar vom BKA, sagte erst kürzlich gegenüber Journalisten in München: "Finanzagenten sind der Schwerpunkt. Wenn wir das unterbinden können, können wir das Phänomen Phishing eindämmen." Die Chance, als Agent nicht erwischt zu werden, ist übrigens gleich null. "Wir haben eine Aufklärungsrate von fast 100 Prozent", warnt Manske. |

.jpg)
